Welche Tools zur Online-Kommunikation und Online-Zusammenarbeit sind barrierefrei?

Man winkt in KameraSchon seit Ewigkeiten wollte ich eine Liste barrierefreier Tools zur Online-Kommunikation zusammenstellen. Der Corona-Virus ist der Anlass, das zu forcieren. Ich möchte diese Liste dynamisch fortführen.
Ich bitte um Verständnis, dass ich hier nur die Position der Blinden und Tastaturnutzer einnehmen kann. Sollten Sie andere Tools kennen oder mit einem Tool schlechte Erfahrungen bei der Barrierefreiheit gemacht haben, teilen Sie mir das gerne per Mail oder Kommentar mit. Leider fehlt mir auch die Zeit, und die Ressourcen, sämtliche Tools persönlich zu testen. Fehlt hier also ein Tool, ist das prinzipiell keine negative Aussage über dessen Barrierefreiheit. Gerne können Sie Ihre eigenen Erfahrungen ergänzen.
Leider lässt sich auch keine plattform-übergreifende Aussage treffen: Weil etwas auf Windows funktioniert, muss es nicht auf dem Mac funktionieren. Im Allgemeinen sind iPhone-Apps für Blinde zugänglicher als ihre Pendants auf Android, aber auch das gilt nicht immer.
Tipp: Wenn Ihr Tool hier nicht genannt wird, prüfen Sie in der Suchmaschine Ihres Vertrauens, ob der Anbieter sich zu dessen Barrierefreiheit auf Deutsch oder Englisch äußert. Ist das nicht der Fall, hat der Anbieter sehr wahrscheinlich das Thema gar nicht auf dem Schirm und Sie sollten einen Griff dran schrauben um es in die nächste Ecke werfen zu können.

Allgemeine Tipps

Bitte teilen Sie den Teilnehmenden möglichst frühzeitig mit, welches Tool verwendet wird. Das gibt etwa Blinden oder Sehbehinderten die Gelegenheit, sich mit dem Tool vertraut zu machen. Im Idealfall sollten Sie bei der ersten Nutzung bereits eine halbe Stunde vor dem Termin bereit sein, die Technik zu testen und eventuelle Probleme zu klären.
Generell sollte bei der Online-Kommunikation ein Headset mit integriertem Mikrofon verwendet werden. Wir empfehlen USB-Headsets oder Funk-Headsets mit optimierter Übertragung. Bei Bluetooth kommt es gerne mal zu Aussetzern. Headsets verbessern die Sprach- und damit die Hörqualität. Sowohl im Home-Office als auch im Büro kann es zu störenden Neben-Geräuschen kommen.
Sollten Sie eine Webcam einsetzen, empfehlen wir eine möglichst gute Webcam. Die in günstigen Notebooks, Smartphones und Tablets integrierten Webcams sind eher mäßig. Eine gute Webcam sorgt dafür, dass Sound und Lippen-Bewegungen bzw. Körpersprache synchron sind und erleichtert damit die Kommunikation gerade für Hörgeschädigte. Achten Sie darauf, dass Sie gut ausgeleuchtet und der Kopf sowie Oberkörper gut erkennbar sind.
Telefon-Konferenzen sind generell unproblematisch, wenn keine Gehörlosen oder stark Schwerhörigen beteiligt sind. Ich rate auch hier dringend von nicht leistungsfähigen bzw. für solche Zwecke optimierten Lautsprecher-Mikrofon-Kombinationen ab. Die große Runde, die nur einen Lautsprecher und ein Mikro verwendet ist leider sehr hör-unfreundlich für alle Beteiligten. Wer per Handy dazu geschaltet ist, sollte unbedingt auf guten Empfang achten.
Versuchen Sie im Vorfeld, alle denkbaren Quellen für Störgeräusche abzustellen, dazu gehören insbesondere Knall-Geräusche, wie sie durch heftig abgestellte Gläser und Ähnliches entstehen.
Verwenden Sie Präsentationen, stellen Sie diese möglichst im Vorfeld den Teilnehmenden mit Behinderung per Mail oder Download zur Verfügung. Es ist in vielen Programmen schwierig, geteilte Bildschirme oder sich ändernde Inhalte vernünftig zu verfolgen. Auch ist die Vergrößerbarkeit der Fenster oftmals eingeschränkt.
Sollten Gehörlose beteiligt sein, können Gebärdendolmetscher per zusätzlichem Fenster bereit gestellt werden. Ein Dienst wie VerbaVoice erlaubt auch das dynamische Zuschalten von Gebärdensprachdolmetschern.

Skype

Skype ist der Klassiker der Team-Kommunikation. Das Tool ist unter Windows uneingeschränkt per Tastatur und als blinde Person nutzbar.
Leider ist die Sprachqualität eher mittelmäßig. Außerdem kommt es gerne zu Verzögerungen bei der Bild-Übertragung, wodurch Sprache und Bild nicht immer synchron sind.

Microsoft Teams

Microsoft Teams soll Skype for Business ersetzen und hat ähnliche Funktionen wie Skype. Es ist in der Business-Version von Microsoft Office 365 integriert.
Selbst habe ich Teams noch nicht verwendet, es soll aber recht gut mit Screenreader verwendbar sein. Außerdem können sich bei Audio-Calls auch Personen per Telefon dazu schalten, die selbst kein Teams haben.

iMessage und Facetime

iMessage und FaceTime Audio bzw. Facetime Video sind ebenfalls gut nutzbar, allerdings nur auf Apple-Geräten verfügbar. Arbeitet die gesamte Gruppe mit Apple-Geräten, sollte das kein Problem sein.

WhatsApp

WhatsApp ist auf Android und iOS generell gut nutzbar. Das gilt auch für Audio- und Video-Calls. Hier können außerdem Sprach- und Video-Nachrichten ausgetauscht werden, das erleichtert eine asynchrone Kommunikation. Außerdem sind Gruppen-Anrufe möglich, sofern die Anzurufenden in Ihren Kontakten stehen.

Telegram

Telegram ist sowohl auf iOS als auch auf Android barrierefrei nutzbar. Leider gibt es in der aktuellen Version keine Gruppen-Anrufe. Allerdings kann Telegram auch anonym, also ohne Sammeln von Telefonnummern verwendet werden. Sie können einen Kanal anlegen, über den Sie Informationen verbreiten können, Interessenten müssen lediglich den Kanal abonnieren.
Auch Telegram erlaubt das Versenden von Sprach- und Video-Beiträgen.

Facebook-Messenger

Der Facebook-Messenger ist mäßig barrierefrei. Vor allem ist er auch auf aktuellen Geräten relativ träge. Zudem ist zu beachten, dass bei Facebook immer wieder einmal schwerwiegende Probleme auftreten, welche die Barrierefreiheit einschränken.
Auch Facebook erlaubt das Chatten in Gruppen, sowie das Versenden von Audio- und Video-Nachrichten.

Slack

Slack habe ich bisher nicht selbst verwendet, es soll aber barrierefrei sein. Slack ist hauptsächlich ein text-basiertes Kommunikations-Medium.

Google Messages

Google Messages ist sozusagen das Android-Gegenstück zu iMessages und Facetime auf iOS. Es können Text-Chats, Anrufe und Video-Calls durchgeführt werden, auch Gruppen-Calls sind möglich.
Das ist natürlich nur sinnvoll, wenn alle Teilnehmenden Android-Geräte haben.

Weitere Tools

Twitch und TeamSpeak sind mir ebenfalls empfohlen worden, von TeamSpeak weiß ich, dass es viel von Blinden verwendet wird.
Adobe Connect und Zoom behaupten von sich, barrierefrei zu sein. Adobe hat erfahrungsgemäß ein eingeschränktes Verständnis von Barrierefreiheit und kann deshalb hier nicht empfohlen werden.

Barrierefreiheit von GoToMeeting

GoToMeeting und seine Ableger sind auf einem Windows-Desktop leider nicht barrierefrei, die Fenster lassen sich nicht auslesen, Dialogfelder nicht bedienen, das Programm lässt sich mit Screenreader nicht bedienen. Leider muss ich von GoToMeeting abraten, was die Barrierefreiheit angeht.

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3 Gedanken zu „Welche Tools zur Online-Kommunikation und Online-Zusammenarbeit sind barrierefrei?“

  1. Da gäbs an Messengern noch Signal und Threema, die beide problemlos nutzbar sind. Threema halte ich für den generell barrierefreiesten Messenger. Als Programm gibts noch Zoom (Audio, Video und Dateiversand). Zu zweit ist die Nutzung kostenlos. Für Gruppencalls ist mindestens ein kostenpflichtiger Account notwendig.

  2. Hallo,
    Goto Meeting war vor einiger Zeit gar nicht so schlecht über die IOS App zu bedienen. Das kann sich aber geändert haben. Grundsätzlich lohnt es sich immer die Desktop und Mobilen Varianten unabhängig voneinander zu betrachten.

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