Archiv der Kategorie: Barrierefreiheit

Digital-Talk/Diskussion: Barrierefreie Online-Veranstaltungen

Man winkt in Kamera
Corona hat die Digitalisierung unheimlich beschleunigt. Dazu gehört auch, dass viele Veranstaltungen heute online stattfinden, für die wir früher angereist wären.
Online-Zusammenarbeit hat das Potential, die Barrierefreiheit zu erhöhen. Für viele Menschen ist es eine Erleichterung, nicht mehr weite Strecken zurücklegen zu müssen und ggf. auf unterschiedlichste Barrieren zu stoßen. Doch besteht auch die Gefahr, dass neue Barrieren aufgebaut werden.
In diesem Talk/Diskussion möchte ich meine bisherigen Erfahrungen bei Online-Veranstaltungen und in der Online-Zusammenarbeit zusammenfassen: Was lief gut, was lief schlecht, was haben wir gelernt, was wissen wir noch nicht?
Das soll aber keine One-Man-Show werden. Ihr könnt und sollt gerne eure Erfahrungen und Fragen beisteuern. Mein Wunsch ist es, dass wir uns untereinander austauschen und so jede/r von jedem lernen kann. Selbstverständlich sind auch behinderte Menschen willkommen, die ihre Erfahrungen beisteuern möchten.
Die Veranstaltung findet auf Zoom statt. Meldet euch einfach über das Kommentarfeld unten mit einer Mail-Adresse an, an welche der Zoom-Link versendet werden kann. Damit auch Arbeitnehmer:Innen teilnehmen können, findet das Meeting am Nachmittag statt. Der Zoom-Link wird am Mittwoch-Abend vor der Veranstaltung verschickt.
Die Veranstaltung wird zum Schutz der Privatsphäre der Beteiligten nicht aufgezeichnet.
Zeit: Donnerstag, 22.10.2020 von 15 bis 16 Uhr

Ein Blinder zwischen Android Talkback und iOS VoiceOver

emojiDieses Jahr habe ich meinen dritten Versuch mit Android als Blinder gestartet. Heißt, ich habe das Haupt-System gewechselt. In Betrieb habe ich immer beide Systeme, unter anderem, um Apps testen zu können.
Zunächst einmal ist dies hier kein objektiver Vergleich beider Systeme. Ich sehe ein Smartphone als Arbeitsgerät, nicht als Gadget oder Statussymbol. Ich habe mir alle iOS-Geräte gebraucht gekauft, weil mir die Preise trotz der zweifellos guten Leistungen von Apple übertrieben scheinen. Ich kann mich nicht entscheiden, ob mir Google mit seiner Datensammelei und der Verbreitung von Hass, Hetze und Verschwörungstheorien oder Apple mit seiner closed-Source-Politik unsympathischer ist. Leider ist Microsoft aus dem Rennen komplett ausgestiegen, ansonsten hätte das sehr spannend werden können. Insgesamt nerven die Konzerne mit ihrer PR für Barrierefreiheit, allerdings steckt bei Apple etwas dahinter, während Google vor allem PR und heiße Luft produziert.
Mein Fazit ist klar: iOS hat eindeutig die besseren Features für Blinde, sie sind sauberer implementiert und das Gesamtsystem funktioniert deutlich besser. Apple liegt mit seinen Smartphones Jahre vor Google. Würde ich Schulnoten verteilen, würde Apple eine 2 + und Google eine 4 minus erhalten.
Zugegeben habe ich iOS deutlich länger genutzt als Android. Talkback war bis zu Android 6 im Grunde unbrauchbar.
Blinde Android-Fans sagen, funktioniert alles. Es gibt eine gewisse Schönrederei, aber das kennen wir ja schon von den Applenutzern.
Mir persönlich ist meine Zeit aber zu schade, um sie mit dem Lesen von Handbüchern zu verschwenden. Und ich bin zu alt, mir hundert neue Gesten und Tastenkombinationen auswendig zu lernen.

Talkback geht irgendwie

Talkback stellt die wesentlichen Basis-Features eines mobilen Screenreaders bereit. Das Meiste funktioniert irgendwie, gerade die Google-eigenen und die Mainstream-Apps sind gut nutzbar.
Es ist allerdings unintuitiv. Ich habe relativ wenige Gesten bei Apple nachschlagen müssen. Bei Google habe ich bis heute nicht herausgefunden, wie man Text kopiert und einfügt oder Texte schnell und nicht buchstabenweise löscht.
Meine Vermutung ist, dass Google komplett aus dem Rennen ausgestiegen ist. Es gibt kaum neue Features seit Android 6, man konzentriert sich auf Bugfixes, aber auch das nicht effektiv. Beispiele gefällig?

  • Es gibt keine Standard-Funktion, um Android bei der Erst-Einrichtung oder im laufenden Betrieb ein- und auszuschalten. Ja, man kann Android nach der Einrichtung auf die Lautstärke-Tasten legen, das geht aber nur, wenn man das einmal in den Einstellungen aktiviert hat.
  • Es gibt Latenzen beim Scrollen in Chrome und in Apps, die offenbar Komponenten von Chrome verwenden. Scrollt man, macht Talkback eine mehrere Sekunden lange Denkpause, egal, wie komplex die Webseite ist. Im Firefox tritt das Problem nicht auf.
  • Die Google Sprachausgabe spricht seit einiger Zeit keine Emojis mehr und spricht die Überschriften Englisch.
  • Es gibt keine Standard-Geste für „Ab dem nächsten Element lesen“, ein Feature, dass man für Bücher oder Webseiten praktisch immer braucht.
  • Die Funktion „Ab dem nächsten Element lesen“ funktioniert in alternativen Browsern wie dem Firefox nicht, stattdessen liest er einfach von oben an.
  • Die Farbumkehr des Bildschirms wird im Stromsparmodus ausgeschaltet.
  • Weder in Google Mail noch im Chrome-Browser kann man Telefonnummern einfach anklicken und anrufen wie bei iOS

In den Apps geht es weiter: So wird in WhatsApp in einem Gruppen-Chat oft nicht klar, wer was geschrieben hat. Bei vielen Webseiten in egal welchem Browser werden Überschriften nicht vorgelesen, etwa bei der Google-Suche oder bei Spiegel Online auf der Startseite. Bei Twitter wird sowohl der angezeigte Name als auch der Twitter-Name vorgelesen, bei mir also Domingos @domingos2, eine dieser Infos wäre vollkommen ausreichend, möchte man mehr als antworten, liken oder retweeten, muss man in den Tweet absteigen. In der Google-eigenen App Fit werden Informationen einer Tabelle in einer falschen Reihenfolge vorgelesen. Die Stimm-Aktivierung von Google Assist habe ich nach endlosem Rumprobieren nicht zum Laufen bekommen.
Ich kann solche Probleme endlos aneinandereihen. Es funktioniert, aber komfortabel ist was Anderes.
Am schlimmsten finde ich die Google Tastatur GBoard. Bei Apple fokussiert man den Buchstaben und wählt ihn durch Doppeltippen aus. Bei Android wird der Buchstaben bei Fokussieren und Loslassen geschrieben. Oft wird der Buchstabe neben dem ausgewählt, den man eigentlich tippen wollte. Oftmals löst man eine Aktion aus, obwohl man nur scrollen wollte.
Wir erinnern uns: Apple ist ein Hardware-Konzern mit einer Software-Schmiede, Google ist ein Software-Konzern mit einer Hardware-Sparte. Heißt, Google hätte mehr Entwicklungs-Kompetenz, die aber ganz offenbar nicht in die Barrierefreiheit für Blinde gesteckt wird.
Das ist aber nur ein Symptom. Ich habe hier den direkten Vergleich zwischen Android 6 und Android 10. Es sind so gut wie keine Features dazu gekommen. Bei Apple darf man sich bei einem ohnehin sehr ausgereiftem System jedes Jahr über neue Features freuen. Google scheint nicht einmal die Basis-Funktionen richtig zu pflegen. Zumindest gibt es jetzt eine Möglichkeit, Brailleschrift direkt über das Display einzugeben, ein Feature, dass iOS schon lange hat.
Völlig versagt hat Google im übrigen bei Smartwatches. Meines Wissens gibt es nur wenige Geräte, bei denen Talkback überhaupt funktioniert und das auch nur mit viel Gebastel.
Das gleiche Trauerspiel finden wir bei Android-Tablets. Zumindest bei den günstigen Geräten scheint Talkback nicht immer vorinstalliert zu sein. Bei meinem letzten Versuch wurde Talkback nach einer Sekunde beendet. Ich konnte das Gerät nicht selbständig einrichten und habe es deshalb zurückgeschickt.
Traurig ist, dass Google das Potential eines Open-Source-Systems nie ausgenutzt hat. Es ist zum Beispiel nicht ersichtlich, warum es keine Erweiterungs-Möglichkeiten gibt. Könte man Erweiterungen für Talkback schreiben oder es mit der Sprachsteuerung von Google verknüpfen, wären unglaubliche Dinge machbar. Mir scheint aber, dass Google mit seiner 4 minus zufrieden ist.

VoiceOver

Über VoiceOver muss man nicht so viele Worte verlieren. Es funktioniert einfach sauber, bekommt regelmäßig neue Features und man hat nicht wie Talkback das Gefühl, das hier irgendwas zusammengefrickelt wurde. Es gibt Bugs, die Jahre mitgeschleppt werden und letztes Jahr gab es größere Probleme bei einem großen Update. Allerdings war nichts davon so schwerwiegend, dass man jetzt unbedingt wechseln müsste.

Ist VoiceOver besser als Talkback?

Besser oder schlechter ist im Zusammenhang mit komplexer Software selten eine sinnvolle Kategorie. Ist Frankreich besser als Italien? Ist Jupiter besser als der Mars? Sinnfreie Fragen, die am Ende Geschmackssache sind. Wie gesagt verwende ich nach wie vor Android als Hauptsystem. Es funktioniert also, aber der Wow-Effekt stellt sich nicht ein.
Eindeutig messen lässt sich die Zahl der Konfigurationsmöglichkeiten: Sie sind bei VoiceOver wesentlich zahlreicher. Es gibt mehr Stimmen zur Auswahl, mehr Möglichkeiten der Braille-Konfiguration uvm.
Nächste Frage: Würde ich einem Blinden Android oder iOS empfehlen? Auch hier keine eindeutige Antwort. Jemandem, der nicht fit in Technik ist oder keine Erfahrung hat und allen Vollblinden würde ich eindeutig ein iOS-Gerät empfehlen. Bei einem Sehrestler wäre die Entscheidung schwieriger.
VoiceOver ist eindeutig die Referenz, was mobile Screenreader angeht. Natürlich gibt es – wie bei allen komplexen Systemen – Luft nach oben. Allerdings ist bei Android deutlich mehr Luft als bei iOS.

Die Un-Experten – Schattenseiten der Barrierefreiheit

Schild mit AusrufezeichenLeider treiben sich auch in der Barrierefreiheits-Szene Menschen herum, die hier nichts zu suchen haben. Immerhin ist in der Barrierefreiheit mittlerweile viel Geld zu holen. In diesem Beitrag möchten wir uns diese Spezies genauer anschauen.
Generell lassen sich drei Typen von Un-Experten unterscheiden: Die Glauber, die Ignoranten und die Betrüger.

Die Glauber

Die Glauber glauben, etwas von Barrierefreiheit zu verstehen. Dabei beschränken sich ihre Fähigkeiten darauf, PDFs mit dem PAC zu prüfen, HTML zu validieren oder wenn es hoch kommt den WAVE-Test durchzuführen.
Die Glauber integrieren fleißig Vorlesefunktionen, Magnifier und Styleswitcher auf ihren Webseiten. Wenn es vor 20 Jahren richtig war, kann es ja heute nicht schlecht sein. Und wo man schon dabei ist, wie wärs mit einer Textversion unserer Website für Blinde?
Die Glauber wissen oft über bestimmte Bereiche der Web-Entwicklung Bescheid. Sie können etwa Kontraste richtig bewerten oder sogar barrierefreie Formulare gestalten. Das wäre ausreichend, wenn sich das Thema Barrierefreiheit bei der Screenreader-Kompatibilität erschöpfen würde. Daran glauben sie fest, deshal hat sich der Blick in die WCAG für sie erledigt.

Die Ignoranten

Die Ignoranten sind häufig sogar namhafte Personen aus der Barrierefreiheits-Szene, ich nenne mal keine Namen. Die Ignoranten sind häufig hochqualifiziert in dem was sie tun, verpassen aber dabei den Blick nach links und rechts.
Zu den Ignoranten gehören etwa Blinde, die sagen, X sei nicht barrierefrei, weil sie X nicht bedienen könnten. Oder eben X sei barrierefrei, weil sie es bedienen könnten. Barrierefreiheit beschränkt sich für sie auf Kompatibilität für Screenreader und Sprachausgaben. Aber wir können problemlos eine App oder Website erstellen, die für Blinde funktioniert und für alle anderen nicht.
Sicherlich ist Funktionalität für Blinde ein wichtiges Thema. Es deckt auch die Bedienbarkeit mit Tastatur relativ gut ab. Im Endeffekt ist es aber ignorant, denn es gibt iel mehr Leute, denen die Bedienbarkeit für Blinde nicht immer weiterhilft. Dazu gehört die wesentlich größere Zahl der Sehbehinderten.
Wohlgemerkt: Ich habe nichts dagegen, wenn ein Blinder sagt, etwas funktioniert für ihn persönlich oder für die Blinden generell nicht. Aber ein Vollblinder kann selbst mit Programmier- und Test-Fähigkeiten nur eingeschränkt die Barrierefreiheit einer Anwendung beurteilen. Blindengerecht und barrierefrei sind zwei verschiedene Dinge. Und Blindengerecht ist eine Teilmenge von Barrierefreiheit, wer das nicht versteht ist meines Erachtens ignorant.

Die Betrüger

Leider muss man auch über die dunkle Seite sprechen: Personen, die mit krimineller Energie zu Gange sind. Mir lag von einem Auftraggeber ein Screenshot der Adobe Barrierefreiheitsprüfung vor, der offensichtlich gefälscht war. Diese Person wusste also, dass sie die Leistung nicht erbracht hat und statt dies einzuräumen hat sie das Spiel weitergetrieben. Man muss also von geradezu krimineller Energie ausgehen.
Wie häufig so etwas vorkommt, wissen wir leider nicht. Allerdings sind viele Faker in der Szene unterwegs:

  • Die grafikerin, die von sich fälschlicherweise behauptet, barrierefreie PDFs erstellen zu können und deswegen eingestellt wird.
  • Der Bauträger, der Barrierefreiheit nicht umsetzen kann, obwohl es in seinem Auftrag steht.
  • Der Museums-Einrichter, der wirklich gar keine Ahnung hat und die Barrierefreiheit sogar aktiv behindert.
  • Der Web- oder App-Entwickler, der genau das Gegenteil von Barrierefreiheit macht.

Das sind alles Fälle, die mir bekannt sind oder von unterschiedlichen Stellen zugetragen wurden.
Die Abgrenzung zwischen Glauber und Faker ist nicht immer eindeutig zu machen. Manche Leute glauben tatsächlich, etwas von Barrierefreiheit zu verstehen, obwohl das nicht der Fall ist. Doch muss man befürchten, dass ein großer Teil hier absichtsvoll vorgeht.

Wie der Datenschutz die Barrierefreiheit behindert

Blick durch ein SchlüssellochDatenschutz hier, Datenschutz da – in der Coronakrise wird einmal mehr heftig darüber gestritten. Beispiele gibt es zu Hauf. Diskutiert werden etwa die Datenspende-App des Robert-Koch-Instituts sowie die noch zu entwickelnde App zum Detektieren potentieller Corona-Ansteckungen. Dass die Datenspende-App nicht barrierefrei war, hat weder das RKI noch die Twitter-Gemeinde sonderlich interessiert.
Ich fasse es mal zusammen: Ein potentieller Verstoß gegen den datenschutz interessiert die Leute mehr als der Fakt, dass behinderte Menschen eine Anwendung nicht nutzen können. Bin ich der Einzige, der das merkwürdig findet?
Weiteres schönes Beispiel: Durch die überhastete Digitalisierung hat sich ein Wildwuchs an digitalen Kommunikationslösungen ergeben. Zoom hat WhatsApp als Buhmann Nr. 1 abgelöst. Allerdings wird auch so ziemlich jede andere Lösung wie Teams, Skype oder Jitsy kritisiert. Nur ein Wirrkopf könnte auf die Idee kommen, dass es vielleicht nicht nur an den Lösungen, sondern auch an der DSGVO selbst liegen könnte. Da wird lang und breit über potentielle Mängel beim Datenschutz diskutiert. Aber in keiner der zahlreichen Listen von Kommunikationstools und deren Vor- und Nachteilen findet man Hinweise zu deren Barrierefreiheit.

Der Primat des Datenschutzes ist fragwürdig

Irgendwann muss die Gesellschaft entschieden haben, dass der Datenschutz wichtiger ist als alles Andere: Wichtiger als Benutzerfreundlichkeit, wichtiger als Barrierefreiheit, wichtiger als der Preis, wichtiger als die Kompatibilität mit verschiedenen Endgeräten. Wenn keine Lösung die Anforderungen des Datenschutzes erfüllt, dann kommunizieren wir halt per Rauchsignal. Und ist niemandem aufgefallen, dass man problemlos den Datneschutzbeauftragten einer Organisation findet, aber der Barrierefreiheits-Beauftragte nicht existiert? Kann man noch deutlicher machen, dass Barrierefreiheit für den öffentlichen Dienst ein Nischenthema ist?
Die DSGVO kann unter „gut gemeint“ abgeheftet werden. Wie so vieles begünstigt sie eher die großen Datenfresser wie Google oder Facebook, denn nur die haben das Geld und die Power, die Richtlinien umzusetzen – oder eher sie ungestraft zu ignorieren.

Datenschutz bremst Barrierefreiheit und Benutzbarkeit aus

Ruft man heute eine Website auf, muss man häufig mindestens zwei Mal klicken, um überhaupt irgendwelchen Inhalt zu bekommen. Bei der Google-Suchmaschine sind es eher vier Mal.
Die Wenigsten werden den juristischen Prosa-Roman aka Datenschutzerklärung lesen, der ihnen da vorgesetzt wird. Das liegt unter anderem daran, dass er völlig unverständlich und die Angaben nicht überprüfbar sind. Das ist wohl die Transparenz, die uns die DSGVO versprochen hat.
Die Themen Barrierefreiheit und Benutzerfreundlichkeit bleiben auf der Strecke: Viele der Cookie-Messages sind per Tastatur oder assistiver Technologie nicht zugänglich. Und was passiert mit den Menschen, die keine Ahnung haben, was dieser Cookie sein soll und die auch nach den seitenlangen Erklärungen nicht schlauer sondern eher besorgter sind?
Und warum müssen die Datenschutz-Erklärungen nicht in einer allgemein-verständlichen Sprache verfasst sein? Werden sie nicht mit Absicht mit juristischem und technischem Kauderwelsch gepropft, damit die Betroffenen ihre Rechte eben nicht verstehen oder gar einfordern?

Datenschutz gefährdet die Digitalisierung

Der Erfolg von Zoom hat nicht zuletzt damit zu tun, dass die Lösung gerade aus der Perspektive der Nutzer sehr einfach und relativ intuitiv ist. Das kann man von den meisten anderen Lösungen nicht behaupten. Adobe Connect oder GoToMeeting etwa verlangen kategorisch das Installieren eines zusätzlichen Clients. Was der tut, bleibt deren Geheimnis. Wer keine Installationsrechte hat, der hat Pech gehabt. Dass diese Clients nicht barrierefrei sind, ist dann auch nur ein Neben-Aspekt.
Der Primat des Datenschutzes verhindert, dass sich digitale Lösungen etablieren. Viele der Lösungen, die den Datenschutz angeblich erfüllen können von der Benutzerfreundlichkeit oder Barrierefreiheit nicht überzeugen. Deswegen wird sie kaum jemand nutzen, wenn er nicht muss.
Natürlich kann ich die Anliegen der Datenschützer verstehen. Aber wie so oft im Leben kommt es darauf an, ein Gleichgewicht unterschiedlicher Anforderungen zu finden. Was sonst passiert, liegt auf der Hand, die Nutzer stimmen mit den Füßen ab: Entweder nutzen sie trotz Bedenken die für sie einfachste Lösung oder eben gar keine.

Digitalisierung als Chance für behinderte Menschen

Mookup zur DigitalisierungSehende müssen Papier lieben: Sie bedrucken Berge davon, schicken es hin- und her, scannen es ein, drucken es wieder aus, heften es ab, um es nie wieder anzuschauen.
Gerade Behörden haben ein Faible dafür, Papier zu verschicken, auch wenn es nicht um rechtssichere Infos geht und die Mail-Adresse eindeutig bekannt ist. Die sonst so knausrigen Behörden scheinen mit Vorliebe Geld für Porto und Druckertinte auszugeben.
Daran zeigt sich, wie weit weg wir von einer Digitalisierung sind. Vor nur 20 Jahren wäre es kaum denkbar gewesen, dass ein Großteil der Personen ihre Arbeit von zuhause macht: Es fehlte an Technik und Internetzugang. Doch wir könnten auch wesentlich weiter sein, wie Länder wie Estland zeigen. In diesem Beitrag soll es aber um die Chancen der Digitalisierung für behinderte Menschen gehen.

Was geht digital?

Natürlich waren wir alle nicht auf eine globale Pandemie vorbereitet. Andererseits waren wir spätestens seit Fridays for future angehalten, uns ökologischere Lösungen zu suchen. Der Reisezirkus der EU zwischen Straßburg und Brüssel ist so ein peinliches Beispiel. Doch müssen wir gar nicht so weit schauen, einen ähnlichen Unsinn finden wir zwischen alter und neuer Hauptstadt in Deutschland. Zehntausende von Menschen fliegen für kurze Termine zwischen A und B hin und her.
Aber selbst diejenigen, die etwas davon verstehen tun sich mit der Digitalisierung schwer. Die Republica zum Beispiel, sie nennt sich gerne auch große Internet- oder Digital-Konferenz. Aber sie tun sich schwer darin, eine Online-Konferenz auf die Beine zu stellen, obwohl dafür der logistische Aufwand wesentlich geringer ist als für eine Präsenzkonferenz. Gewiss ist das technisch eine große Herausforderung. Aber es ist immer noch wesentlich weniger Aufwand als eine Präsenzveranstaltung mit mehreren tausend Personen.
Kleinere Veranstaltungen wie die Beyond Tellerrand ließen sich, behaupte ich einmal kühn, problemlos digitalisieren. Natürlich müssen die Konzepte angepasst werden. Vorträge vor einem Bildschirm zu halten ist auf jeden Fall gewöhnungsbedürftig. Aber es ist auch kein Hexenwerk. Der O’Reily-Verlag zum Beispiel verkündete jüngst, er wolle nur noch Online-Meetings abhalten.
Nebenbei ließe sich damit ein großes Problem lösen: Viele Veranstaltungen finden in der Pampa statt, sprich, man muss ein- bis zwei Mal vom nächsten großen Bahnhof umsteigen. Das ist für behinderte Menschen eine Herausforderung und für Gesunde zumindest ein Ärgernis. Aber die Großstadt ist deutlich teurer, was Unterkünfte und Veranstaltungsräume angeht. Das heißt, gerade Low-Budget-Veranstaltungen können nicht zentral stattfinden, wenn sie keinen großzügigen Sponsoren finden.

Mentale Barrieren abbauen

Der Widerstand gegen die digitale Kommunikation ist enorm. Dabei habe ich digitale Meetings häufig als produktiver als Face 2 Face empfunden: Die Agenda wird strenger befolgt, es gibt weniger abrupte Themenwechsel, weniger Alphamännchen-Gehabe, die Sitzungen sind zumeist kürzer und disziplinierter. Klar gibts technische Probleme und der 3-jährige plärrt mal dazwischen. Aber bei Präsenz-Meetings läuft ja immer alles glatt, der Beamer funktioniert auf Anhieb mit dem Notebook, alle sind immer pünktlich da und es finden auch nie laute Bauarbeiten statt…
Natürlich weiß ich um den Wert persönlicher Begegnungen. Ja, der persönliche Kontakt, war, ist und wird immer wichtig bleiben. XING, Facebook und Co. werden diesen Kontakt nicht überflüssig machen.
Aber, und das ist ein großes Aber: Der persönliche Kontakt ist nicht alles. Er muss gegen die persönlichen, ökonomischen und ökologischen Kosten aufgewogen werden. Kaum jemand hat seine Lebensfreude an einem Bahnhof, in einem Flughafen oder einem Hotelzimmer gefunden. Sechs- oder siebenstellige Reise-Budgets bessern die Bilanz sicher nicht auf. Nebenbei wundere ich mich, dass die ansonsten so knausrigen öffentlichen Kassen diesen Reisezirkus finanzieren. Und natürlich die Umwelt, auch sie nimmt Schaden durch immer mehr Flugreisen, Bahnstrecken, Straßen und dem Verkehr, der auf ihnen stattfindet. Eine Organisation kann sich nicht ernsthaft umweltbewusst nennen, wenn sie diesen Unsinn zulässt. Atmosfair ist, als würde man jemandem ins Gesicht schlagen und ihm hinterher einen Eisbeutel gegen die Schwellung reichen.
Ich behaupte, dass der Widerstand gegen digitale Lösungen vor allem mental bedingt ist und dass ein Großteil der heutigen Präsenz-Termine sich digital abwickeln ließe.
Nehmen wir ein plastisches Beispiel: Die Gamer haben diese digitale Revolution schon vorweggenommen. Seitdem es die digitale Vernetzung gibt, kommunizieren sie global. Wer halbwegs Englisch kann – oder es lernen will – spielt eines dieser Online-Games. Kurioserweise haben diese Leute wohl die wenigsten Probleme damit, #stayathome zu befolgen, sie wüssten wahrscheinlich gar nicht, dass es dabei ein Problem geben könnte. Darüber entstehen Freundschaften, obwohl sich die Betreffenden wahrscheinlich nie persönlich treffen werden.

Was hat das mit Barrierefreiheit zu tun?

Natürlich eine ganze Menge. Live-Streamings sind ganz nett, um von zuhause aus was mitzubekommen. Aber zuschauen und dabei sein sind zwei Paar Schuhe.
Sprechen wir einmal über nicht-digitale Barrieren: Geld ist eine davon, Entfernung, Fahrzeit und Übernachtung an fremden Orten ist ebenfalls eine Barriere. Viele behinderte Menschen können Präsenz-Veranstaltungen deshalb nicht besuchen.
Ein spannendes Thema sind auch kommunikative Barrieren: Digitalisierung macht es möglich, dass Vortrag an Ort A stattfindet, der gehörlose Teilnehmer an Ort B und der Gebärdensprach-Dolmmetscher an Punkt C ist. Selbiges gilt natürlich für Übersetzungen in Leichte Sprache.

Chancen der Digitalisierung für behinderte Menschen

Viele Menschen mit einer psychischen oder chronischen Erkrankung können keiner geregelten Arbeit nachgehen. Sie haben Schübe, in denen sie nicht arbeiten können und niemand kann sagen, wann so ein Schub kommt. Mit regulären Arbeitszeitmodellen ist das aber nicht vereinbar.
Für sie wäre Heimarbeit eine Chance, doch einer geregelten Tätigkeit nachzugehen. Sie könnten zum Beispiel ein bestimmtes Arbeitspensum vereinbaren, welches sie abarbeiten, wenn sie sich gut fühlen.
Auch für andere behinderte Menschen ist Heimarbeit eine Chance. Für Blinde zum Beispiel ist Pendeln mit den Öffis eine Herausforderung, ebenso wie für andere mobilitäts-eingeschränkte Personen.
Und vergessen wir nicht die Gruppe, die bei COVID19 im Vordergrund steht, die Menschen mit einem geschwächten Immunsystem, für die ein kleiner Infekt lange Krankheit oder Tod bedeuten kann. Ich bezweifle, dass sie sich in voll besetzten Intercitys oder Flugzeugen schon vor der Corona-Krise besonders wohl gefühlt haben.
Auch ein Studium oder eine Berufsausbildung könnten auf diesem Wege absolviert werden. Leider fehlt es dem Staat bisher an der nötigen Flexibilität, es ist dieser Kult um physische Präsenz, der Innovationen ausbremst.
Oder bleiben wir bei meinem Lieblingsthema: Papier. Zwar kann man mittlerweile einen schnellen Scan mit dem Smartphone machen. Dennoch weiß man als Blinder nie, was man da eigentlich unterschreibt. Das Ganze digital abzuwickeln würde uns viel von dieser Sorge nehmen. Und es gibt noch unzählige weitere Beispiele.
Voraussetzung ist natürlich immer, dass die Bedingungen zuhause passen. Die Technik muss ausreichend sein, das Internet schnell genug, es muss ein geeigneter Raum zur Verfügung stehen.
Ebenso muss natürlich die verwendete Technik barrierefrei sein, wenn die Person darauf angewiesen ist. Viele der Konferenz-Lösungen sowie der Tools zum Zugriff auf die Firmen-Infrastruktur sind das leider nicht.

Corona ist eine Chance

Ich bin ja kein Fan von Kalendersprüchen a la „Krise als Chance“. Das wäre bei der Corona-Krise und ihrer dramatischen Folgen für die Betroffenen auch nicht angemessen.
Dennoch bleibt zu hoffen, dass die Krise der Digitalisierung einen Schub gibt. Denn bisher bleibt Deutschland weit hinter anderen Ländern zurück und bremst damit auch die Barrierefreiheit aus.

Barrierefreiheit – wir brauchen weniger Experten und mehr Basis-Wissen

Stilisierter Sherlock Holmes mit LupeEs ist kein Geheimnis, dass die Barrierefreiheit in vielen Fällen seit Jahren keine Fortschritte und noch öfter Rückschritte macht. Während sich die wenigen Experten in Fachdiskursen fingerhakeln, bleibt die Barrierefreiheit auf der Strecke.

Jeder muss, keiner weiß wie

Im Grunde wird jeden Tag gegen die Barrierefreiheits-Richtlinien verstoßen. Jedes Mal, wenn ein nicht-barrierefreies PDF online gestellt wird, sterben mindestens drei Einhörner. Schuld daran sind nicht nur die Ersteller, denn sie wissen es oft nicht besser. Schuld sind Adobe und Co. die das Thema seit Jahrzehnten nicht auf die Reihe bekommen. Aus Blei Gold herzustellen ist einfacher als aus einer Broschüre ein barrierefreies PDF herzustellen. Bei barrierefreien PDFs muss man sich die Anführungszeichen bei „barrierefrei“ immer dazu denken, denn 99 Prozent der so betitelten Dokumente weisen trotzdem sie von angeblichen Experten hergestellt wurden kleine bis größere Fehler auf.
Da es das Recht auf barrierefreie Dokumente gibt, müsste im Grunde jeder Verwaltungsmitarbeiter wissen, wie er Dokumente barrierefrei macht, sofern er interne oder externe Kommunikationsaufgaben übernimmt. Defacto weiß aber keiner, wie es geht. Die logische Konsequenz wäre, es in die Verwaltungsausbildung bzw. die entsprechenden Studiengänge mit aufzunehmen. Meines Wissens ist das bisher nicht der Fall. Bei mir rufen nicht selten Personen an, die Hunderte von Leuten schulen wollen, vorzugsweise in Buxtehude tätig sind und das natürlich möglichst umsonst haben wollen.
Das gleiche Trauerspiel finden wir bei den Web-Entwicklern, die man besser als Kästen-Hin-und-Herschieber bezeichnen sollte. Wenn sie HTML und CSS ihrem Sinn gemäß einsetzen würden, wäre 80 Prozent der Arbeit schon gemacht. Aber entweder können oder wollen sie das nicht, beides ist ein Armutszeugnis für diesen Berufsstand.

Wir kümmern uns um die Symptome, nicht um die Ursachen

Zynisch gesagt haben wir kein großes Interesse, die Situation zu verbessern. Wir verdienen prächtig an dieser Situation, nämlich daran, dass das Fachwissen bei den Auftraggebern und den Web-Agenturen fehlt. Je mehr die Leute rummurksen, je später sie uns dazu holen, desto mehr Stunden können wir anschließend abrechnen. Etwas Kaputtes zu reparieren kostet halt mehr als es von Anfang an richtig zu machen.
Daneben gibt es die Testverfahren, Zertifizierungen, schlecht konzipierte Kurse und weitere Angebote, mit denen die Experten ordentlich Geld verdienen, die der Barrierefreiheit aber nicht immer zugute kommen.

Halbwissen ist manchmal schlimmer als keines

Es gibt unzählige „Experten“, die Unsinn verzapfen: Der eine setzt CAPTCHAs auf seiner eigenen Webseite ein. Der Andere glaubt ernsthaft, ReadSpeaker wäre eine assistive Technologie.
Da lobe ich mir die Leute, die gar keine Ahnung haben und recherchieren. Leider scheint es in der Szene nach wie vor nicht üblich zu sein, sich mit Betroffenen auszutauschen oder über den Tellerrand der geschriebenen Richtlinien hinaus zu schauen.

Mehr Basis-Wissen, weniger Experten

Die Lösung ist denkbar einfach: Wir brauchen weniger Experten-Wissen und mehr Basis-Wissen bei allen Verantwortlichen. Es rächt sich jetzt, dass Barrierefreiheit jenseits spezieller Zirkel nicht stattfindet. Wir haben Fach-Konferenzen zur Barrierefreiheit, aber auf Normalo-Konferenzen ist es ein Nischen-Thema und wird auch so wahrgenommen, wenn es überhaupt vorkommt. In den einschlägigen Studien- und Ausbildungsgängen kommt es wenn überhaupt als Rand-Thema vor.
Es gibt kein einziges deutsch-sprachiges Programm, um Personen umfassend zur digitaler Barrierefreiheit zu qualifizieren. Die HDM Stuttgart und die Hildesheim decken nur Teilgebiete ab, die entweder zu speziell oder zu allgemein sind.
Es sind also keine substantiellen Fortschritte zu erwarten. Und das leider auch, wenn die Regierung noch strengere Gesetze erlassen würde, das hat sie aber ohnehin nicht vor.

Welche Tools zur Online-Kommunikation und Online-Zusammenarbeit sind barrierefrei?

Man winkt in KameraSchon seit Ewigkeiten wollte ich eine Liste barrierefreier Tools zur Online-Kommunikation zusammenstellen. Der Corona-Virus ist der Anlass, das zu forcieren. Ich möchte diese Liste dynamisch fortführen.
Ich bitte um Verständnis, dass ich hier in erster Linie die Position der Blinden und Tastaturnutzer einnehmen kann. Sollten Sie andere Tools kennen oder mit einem Tool schlechte Erfahrungen bei der Barrierefreiheit gemacht haben, teilen Sie mir das gerne per Mail oder Kommentar mit. Leider fehlen mir auch die Zeit und die Ressourcen, sämtliche Tools persönlich zu testen. Fehlt hier also ein Tool, ist das prinzipiell keine negative Aussage über dessen Barrierefreiheit. Gerne können Sie Ihre eigenen Erfahrungen ergänzen.
Leider lässt sich auch keine plattform-übergreifende Aussage treffen: Weil etwas auf Windows funktioniert, muss es nicht auf dem Mac funktionieren. Im Allgemeinen sind iPhone-Apps für Blinde zugänglicher als ihre Pendants auf Android, aber auch das gilt nicht immer. Native Apps sind in der Regel barrierefreier als Browser-Apps, aber auch nicht immer. Für Gehörlose mit Gebärdensprache können andere Tools besser sein als für Hörende oder gemischte Gruppen.
Allgemein werden die Tools hier aus der Perspektive der Nutzer betrachtet. Für Moderatoren stellen sich andere, komplexere Anforderungen, die hier aber nicht betrachtet werden. Generell würde ich jedem, der Einschränkungen bei der Computer-Nutzung hat davon abraten, die Moderatorenrolle ohne Assistenz zu übernehmen.
Tipp: Wenn Ihr Tool hier nicht genannt wird, prüfen Sie in der Suchmaschine Ihres Vertrauens, ob der Anbieter sich zu dessen Barrierefreiheit auf Deutsch oder Englisch äußert. Ist das nicht der Fall, hat der Anbieter sehr wahrscheinlich das Thema gar nicht auf dem Schirm und Sie sollten einen Griff dran schrauben um es in die nächste Ecke werfen zu können.
An dieser Stelle gehe ich nur auf Tools ein. Tipps zu einer barrierefreien Online-Kommunikation finden Sie hier. Auch einen Leitfaden zu barrierefreien Online-Veranstaltungen habe ich veröffentlicht.

Skype

Skype ist der Klassiker der Team-Kommunikation. Das Tool ist unter Windows uneingeschränkt per Tastatur und als blinde Person nutzbar.
Leider ist die Sprachqualität eher mittelmäßig. Außerdem kommt es gerne zu Verzögerungen bei der Bild-Übertragung, wodurch Sprache und Bild nicht immer synchron sind.

Microsoft Teams

Microsoft Teams soll Skype for Business ersetzen und hat ähnliche Funktionen wie Skype. Es ist in der Business-Version von Microsoft Office 365 integriert.
Teams ist prinzipiell mit Screenreader und Tastatur nutzbar, ich finde es aber recht komplex und eigenwillig.

iMessage und Facetime

iMessage und FaceTime Audio bzw. Facetime Video sind ebenfalls gut nutzbar, allerdings nur auf Apple-Geräten verfügbar. Arbeitet die gesamte Gruppe mit Apple-Geräten, sollte das kein Problem sein.

WhatsApp

WhatsApp ist auf Android und iOS generell gut nutzbar. Das gilt auch für Audio- und Video-Calls. Hier können außerdem Sprach- und Video-Nachrichten ausgetauscht werden, das erleichtert eine asynchrone Kommunikation. Außerdem sind Gruppen-Anrufe möglich, sofern die Anzurufenden in Ihren Kontakten stehen.

Telegram

Telegram ist sowohl auf iOS als auch auf Android barrierefrei nutzbar. Leider gibt es in der aktuellen Version keine Gruppen-Anrufe. Allerdings kann Telegram auch anonym, also ohne Sammeln von Telefonnummern verwendet werden. Sie können einen Kanal anlegen, über den Sie Informationen verbreiten können, Interessenten müssen lediglich den Kanal abonnieren.
Auch Telegram erlaubt das Versenden von Sprach- und Video-Beiträgen.

Facebook-Messenger

Der Facebook-Messenger ist mäßig barrierefrei. Vor allem ist er auch auf aktuellen Geräten relativ träge. Zudem ist zu beachten, dass bei Facebook immer wieder einmal schwerwiegende Probleme auftreten, welche die Barrierefreiheit einschränken.
Auch Facebook erlaubt das Chatten in Gruppen, sowie das Versenden von Audio- und Video-Nachrichten.

Slack

Slack habe ich bisher nicht selbst verwendet, es soll aber barrierefrei sein. Slack ist hauptsächlich ein text-basiertes Kommunikations-Medium.

Google Messages

Google Messages ist sozusagen das Android-Gegenstück zu iMessages und Facetime auf iOS. Es können Text-Chats, Anrufe und Video-Calls durchgeführt werden, auch Gruppen-Calls sind möglich.
Das ist natürlich nur sinnvoll, wenn alle Teilnehmenden Android-Geräte haben.

BigBlueButton

BigBlueButton ist eine Open Source-Lösung. Die Software sieht auf dem Desktop sehr barrierefrei aus.

Zoom

Zoom ist sowohl auf dem Desktop als auch in den nativen Apps auf dem Smartphone gut bedienbar und daher uneingeschränkt empfehlenswert.

Twitch und TeamSpeak

Twitch und TeamSpeak sind mir ebenfalls empfohlen worden, von TeamSpeak weiß ich, dass es viel von Blinden verwendet wird.

Barrierefreiheit von Adobe Connect

Adobe Connect ist leider absolut nicht barrierefrei auf dem Desktop. Sowohl die Bedienbarkeit für Blinde, die Tastaturbedienbarkeit als auch der Kontrast der Bedien-Oberfläche sind mangelhaft.

Barrierefreiheit von GoToMeeting

GoToMeeting und seine Ableger sind auf einem Windows-Desktop leider nicht barrierefrei, die Fenster lassen sich nicht auslesen, Dialogfelder nicht bedienen, das Programm lässt sich mit Screenreader nicht bedienen. Leider muss ich von GoToMeeting abraten, was die Barrierefreiheit angeht.

Weiterführende Infos

Tipps zu einer barrierefreien Online-Kommunikation finden Sie hier.
Digitalisierung und Behinderung – Chancen und Risiken

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Demografischer Wandel und Barrierefreiheit – wir sind auf die alternde Gesellschaft nicht vorbereitet

Das Wort Vorsorge in stilisierten BuchstabenSeit vielen Jahrzehnten ist klar, dass die Alterung der Bevölkerung voran schreitet. Doch ist weder der Staat noch die Privat-Wirtschaft darauf eingestellt. Dieses Problem wird uns sehr bald auf die Füße fallen, wie ich in diesem Beitrag zeigen möchte.

Die Folgen des Alters

Natürlich ist das Alter an sich kein einheitliches Phänomen, deswegen lässt sich auch nicht exakt angeben, welche Person in welchem Alter von welcher Einschränkung betroffen sein wird. Die Folgen sind von vielen weiteren Faktoren wie Prävention, Gesundheits-Versorgung, Lebensstil, finanzieller Situation und so weiter abhängig.
Doch sind einige Faktoren klar: Ich kenne keine Person, deren Sinnes-Wahrnehmung, Beweglichkeit, Reaktions-Fähigkeit oder kognitive Verarbeitung im Alter besser geworden ist. Mit regelmäßigem Training und Kompensations-Strategien lässt sich viel erreichen. Aber früher oder später kommt ein Punkt, an dem es unweigerlich schwieriger wird.
Fatalerweise könnte dieser Punkt für uns Büro-Menschen, spöttisch homo büronicus genannt, früher kommen als für die Körperarbeiter. Man muss die Akkord-Arbeit in der Fabrik, die Maloche in den Zechen oder die Schufterei auf dem Bau nicht verherrlichen. Doch auch Büroarbeiter sind mit Haltungsschäden durch eine ungesunde Körperhaltung konfrontiert. Das ständige Starren auf nahe Objekte wie Bildschirme und Smartphones und die damit verbundene ungesunde Körperhaltung wird nicht ohne Folge bleiben.

Herausforderungen des Alltags

Treppen sind für Rollstuhlfahrer natürlich unüberwindbar, aber auch für Rollator-Nutzer. Sie sind aber auch für Menschen mit leichten Gang-Unsicherheiten oder Schwindel-Anfällen gefährlich. Für einen älteren Menschen kann ein Sturz lebensgefährlich sein, er kann aber auch durchaus dazu führen, dass die Person durch Knochenbrüche immobil wird. Schon die Angst davor kann verhindern, dass die Betroffenen eine Treppe nehmen. Wer aber keine Treppe nehmen möchte, muss oft große Umwege auf sich nehmen. Wenn man ohnehin ein langsamer Verkehrsteilnehmer ist, kostet das also zusätzlich noch mehr Zeit. Man denke in dem Zusammenhang auch an die vielen geländerlosen Treppen, die es etwa auf Wanderwegen gibt.
In diesem Zusammenhang ist leider auch das Trauerspiel Deutsche Bahn zu sehen, die meisten Konkurrenten scheinen im Nahverkehr auch nicht besser zu sein. Außer beim Fahrradabteil ist es stets notwendig, Treppen zu steigen und einen größeren Abstand zwischen Zug und Gleis zu überwinden. Die Mobilitätshilfe der Deutschen Bahn kann man unter der Kategorie „Gut gemeint“ abheften: Kein Nicht-Behinderter würde sich sagen lassen, er müsse 24 Stunden vorher Bescheid sagen, welchen Zug er nutzen wolle, solle 20 Minuten vorher sich am Reisezentrum einfinden und gefälligst dann fahren, wenn das Personal Dienst hat. Ein weiteres Thema sind die häufig lange Zeit defekten Fahrstühle. An den kleineren Bahnhöfen auch in den Großstädten gibt es häufig gar keine Hilfen oder Aufzüge.
Eine Herausforderung wird das auch für die Gastronomie in den Altstädten: Während die Restaurants selbst oft ebenerdig sind, befinden sich die Toiletten häufig im Kellergeschoss, welches über eine gewundene Treppe erreichbar ist. Und das gilt leider auch für viele andere Freizeit-Einrichtungen.
Auch die Arbeitsplätze befinden sich häufig in Altbauten. Sie barrierefrei umzugestalten ist zumindest schwierig. Ein Treppenlift lässt sich vielleicht noch einbauen. Aber um eine rollstuhl-gerechte Toilette einzubauen, muss häufig der Zuschnitt der Räume geändert werden.
Selbiges gilt leider auch für Arztpraxen. Mit Ausnahme eines meiner Ärzte befinden sich alle in Altbauten mit teils mehreren Treppen. Es muss nicht extra erwähnt werden, dass man im Alter öfter zum Arzt muss.

Es fehlen barrierefreie Wohnungen

Am schwerwiegendsten dürfte das Problem der barrierefreien Wohnungen sein. Schon heute sind barrierefreie Wohnungen für Rollstuhlfahrer kaum zu bekommen. Wie wird es sein, wenn immer mehr Menschen einen Rollator benötigen oder generell Probleme mit Treppen haben werden?
Viele Wohnhäuser haben keine Rampe am Eingang, keinen Aufzug im Haus und sind so geschnitten, dass sie mit Rollator kaum nutzbar sind. Ein Rollator-Nutzer braucht weniger Wenderaum als ein Rollstuhlfahrer, doch auch er wird in einem WC Probleme bekommen, das so groß wie eine Telefonzelle ist.
Zwar sind moderne Wohnhäuser häufig mit Aufzug ausgestattet. Doch hat die öffentliche Hand den Wohnungsbau weitgehend eingestellt und Privat-Investoren scheinen ebenfalls eher am Ausschlachten der mietenblase als am Neubau interessiert. Es ist ein schönes Beispiel für das Total-Versagen des Marktes und des Kapitalismus.

Un-universelles Design

Mit der Ausnahme von Computern und Smartphones hat das universelle Design im Technik-Bereich nicht nur stagniert, sondern Rückschritte gemacht. Immer mehr Geräte sind serienmäßig mit Touchscreens ausgestattet, die für Blinde nicht und für Sehbehinderte schwer zugänglich sind. Ältere Menschen müssen sich vorbeugen, um diese Displays lesen und bedienen zu können. Ich trauere wirklich der Zeit hinterher, als man solche Geräte ohne Hinsehen und volle Aufmerksamkeit bedienen konnte. Apps und Alexa sind leider keiner Lösung, nicht jeder will für eine Ladung Wäsche oder einen Kaffee das Smartphone bemühen oder seine Gewohnheiten Google und Co. frei Haus liefern.
Gefühlt sprechen wir heute mehr denn je über barrierefreies und universelles Design. Gefühlt ist aber außerhalb des digitalen Bereiches – und auch hier wird mehr geredet als getan – wenig passiert. Das ist auch daran erkennbar, dass Barrierefreiheit auf Mainstream-Veranstaltungen wenn überhaupt ein Nischenthema ist, öfter aber gar nicht vorkommt.
Das Problem, vor allem die Knappheit an barrierefreiem Wohnraum, Verkehrsmitteln, Arztpraxen und Arbeitsplätzen ist fast ähnlich groß wie die Frage des Klimawandels. Und ähnlich ungelöst.

Das Versagen unserer Regierungen

Es bleibt ein Rätsel, warum sämtliche Bundesregierungen und die EU mit dem European Accessibility Act viele praktische Probleme wie das Thema Haushaltsgeräte außer Acht gelassen haben. Man überlege einmal, wo wir heute mit einer ernst zu nehmenden Version des Americans with Disabilities Act wären.
Nach wie vor lobbieren große Teile der Wirtschaft gegen härtere Gesetze zur Barrierefreiheit und verbauen sich damit selber die Zukunft. Leider gehören auch sämtliche Bundesregierungen der Letzten Jahrzehnte zu den Bremsern der Barrierefreiheit in der EU.

Warum Barrierefreiheit für Nonprofits wichtig ist

Ich vergleiche Barrierefreiheit gerne mit dem Umweltschutz – beide sind ähnlich wichtige Themen, auch wenn der Umwelt- und besonders der Klimaschutz heute viel mehr diskutiert werden. Die kleinste NGO leistet sich einen Nachhaltigkeitsbericht, einen Barrierefreiheits-Bericht habe ich noch nicht gesichtet.
In diesem Beitrag möchte ich zeigen, warum Barrierefreiheit für Nonprofit-Organisationen wichtig ist. Das ist ein Beitrag zur NPO-Blogparade Digital Development Goals<7/a> von So geht digital. Nebenbei ein großes Lob, dass sie das Thema Barrierefreiheit so prominent und gleich mehrfach im verlinkten Beitrag erwähnen, das ist leider selten.

Barrierefreiheit ist heute ein Muss und kein Kann

Öfter werde ich gefragt, warum die Stimmung bezüglich Barrierefreiheit gekippt ist: Vor 10-15 Jahren haben wir noch freundlich darauf hingewiesen, dass etwas nicht barrierefrei ist, heute fordern wir das ein. Das liegt daran, dass die Wünsche sich verändert haben. Wir erwarten, dass eine Website barrierefrei ist, ansonsten ist in unseren Augen der Service nicht erfüllt. Ist eine Website nicht barrierefrei, heißt das so viel wie „Du bist uns als Kunde nicht wichtig“.
Gerade bei Nonprofits, die Hilfen für Menschen in sozial schwierigen Situationen anbieten, erwarten wir Barrierefreiheit. Denn es gibt große Schnittmengen zwischen solchen Menschen und behinderten Menschen.
Am meisten wundert es mich, wenn ein Spendenprozess nicht barrierefrei gestaltet wurde. Ich werde dann natürlich nicht für diese, sondern für eine andere Organisation spenden.
Neben der Website sind weitere Kommunikationskanäle wichtig: Instagram, Facebook und Twitter bieten heute gute Möglichkeiten, Inhalte für viele Menschen zugänglich zu machen: Es können etwa Untertitel für Videos oder Bildbeschreibungen eingefügt werden.
Und auch intern kann viel gemacht werden: Das richtige Redaktionssystem – es heißt nicht TYPO3 – erleichtert die Bereitstellung barrierefreier Webseiten und Inhalte. Digitale Tools zur Zusammenarbeit können so ausgewählt werden, dass sie auch behinderten Menschen zugänglich sind, so dass sie problemlos in einem Team mitarbeiten können.

Barrierefreiheit ist eine strategische Säule

Barrierefreiheit ist Teil einer nachhaltigen Unternehmensführung. Das gilt natürlich für das Thema Inklusion, welches jede Organisation heute auf dem Schirm haben sollte.
Es gilt aber auch für andere Bereiche: Unternehmerische Verantwortung, Diversity, die ergonomische Gestaltung der Arbeitsplätze. In allen diesen Bereichen spielt Barrierefreiheit eine wichtige Rolle. Selbst in der Nachhaltigkeit ist Barrierefreiheit wichtig: Ist ein Schreibtisch zum Beispiel von vorneherein anpassbar, muss er für einen körperbehinderten Menschen nicht neu angeschafft werden.

Wird Barrierefreiheit Pflicht?

Nonprofit-Organisationen sind fast immer Vereine oder Stiftungen. Sie werden von den aktuellen Gesetzen zur Barrierefreiheit nicht erfasst. Doch führen mehrere Wege nach Rom und es kann durchaus sein, dass sich NGOs bald um das Thema kümmern müssen.
Das gilt zumindest, wenn sie öffentliche Fördermittel erhalten. Der Staat ist durch das Behinderten-Gleichstellungsgesetz und die Behinderten-Rechts-Konvention dazu angehalten, Inklusion und Barrierefreiheit nicht nur im eigenen Bereich umzusetzen. Auch Fördermittel werden immer stärker daran gekoppelt, dass Aspekte der Inklusion und Barrierefreiheit im jeweiligen Projekt umgesetzt werden. Eine NGO, die in diesem Bereich schon Erfahrungen gesammelt hat, wird die Barrierefreiheit auch in geförderten Projekten leichter umsetzen können. Umgekehrt steigen die Chancen auf eine Förderung, wenn das Projekt von vorneherein barrierefrei ausgelegt wird.

Fazit

Barrierefreiheit wird im digitalen und analogen Bereich eine zunehmend wichtigere Anforderung an NGOs. Hier wirkt es sich positiv aus, dass es keine Geheim-Wissenschaft ist und man in vielen Bereichen keine Experten mehr braucht. Ein kleines Webprojekt lässt sich zum Beispiel ohne große Mühen mit WordPress umsetzen. Joomla, Contao und Drupal sind für größere Webseiten gut geeignet. Es gibt kostenlose Leitfäden und Checklisten für barrierefreie Veranstaltungen und auch einige Fördermöglichkeiten.
Wie die Nachhaltigkeit auch ist die Barrierefreiheit ein allmählicher Prozess. Es geht erst mal darum, überhaupt anzufangen und sich nach und nach zu steigern.
Inclusive Design: Bring Web Accessibility to Your Nonprofit“>Inclusive Design: Bring Web Accessibility to Your Nonprofit

Barrierefreie Webseiten sind gutes Handwerk

Anlässlich des Global Accessibility Awareness Day am 17. Mai hatte ich verschiedene Tweets zum Thema barrierefreie Webgestaltung abgesetzt. Unter anderem schrieb ich sinngemäß: „Barrierefreie Webseiten sind keine Extra-Leistung, sondern gutes Handwerk. Hohe Preisaufschläge sind also nicht gerechtfertigt“. Für diese Aussage habe ich ein paar kritische Nachrichten bekommen. Deshalb möchte ich das kurz erklären.

Ein Button ist ein Button ist ein Button

Wenn etwas so aussieht wie ein Button und wenn es sich verhält wie ein Button, dann sollte es auch in HTML ein Button sein.
Kurz zur Erklärung: Man kann design-technisch etwas erstellen, was wie ein Button aussieht und so funktioniert, aber im Code einfach nur JavaScript ist, der hinter eine Grafik gelegt wurde, die wie ein Button aussieht. Warum macht man so was? Weil man entweder faul, doof oder beides ist. Der Aufwand, einen echten Button in HTML zu basteln ist exakt 0 Prozent höher als eine Grafik mit JavaScript zu unterlegen. Doof, weil man offensichtlich keine Ahnung hat, wie man vernünftigen Code schreibt und wahrscheinlich irgendeine Anwendung verwendet, mit der man sich die Elemente zusammenklickt. Ich als absoluter Laie wäre dazu in der Lage, so etwas in HTML anzulegen. Wer sich Webentwickler nennt, sollte das hinbekommen, das ist sozusagen das kleine Ein-Mal-Eins des Webdesigns.
Das Gleiche gilt natürlich für alle anderen Bereiche. Wer HTML und CSS ihrem Zweck gemäß einsetzt, hat bereits einen Großteil der Anforderungen von Barrierefreiheit erfüllt. Aber das ist nun wirklich kein Kunststück. Wer aber seine Website heute noch mit div id=“navigation“ verschandelt, hat keine Ahnung von seinem Handwerk.
Nun kann man argumentieren, dass der Spaghetti-Code niemanden interessiert, schließlich soll es gut aussehen und funktionieren. Aber nein, es bringt massive Nachteile mit sich. Ein Programm kann hingehen und den Container „Content“ in eine lesefreundliche Variante umwandeln. Google kann den Content sauber von der Navigation oder der Fußzeile unterscheiden. Wer also nicht sauber codet, verschlechtert neben der Barrierefreiheit unter anderem seine Position bei Google.
Und natürlich der Screen Reader: Er kann erkennen, dass etwas ein Button ist und der Blinde kann gezielt alle Buttons einer Website anspringen. „Anklickbar, anklickbar, anklickbar“ hingegen ist für Blinde nicht hilfreich.
Umso schlimmer ist es, dass wir uns immer noch über solche Themen unterhalten müssen, dass wir immer noch auf nicht-gelabelte Formularelemente und ähnliche Dinge stoßen.

Barrierefreie Lösungen finden

Was ist aber mit komplexen dynamischen Anwendungen wie Kalender-Widgets oder Lightboxen.
Tatsächlich gibt es für die meisten komplexen Anwendungsfälle frei verfügbare Patterns oder Lösungen, die sich übernehmen oder zumindest nachbauen lassen. Es wäre heute also kein Problem mehr, dem Kunden barrierefreie Webseiten sozusagen unterzuschieben, ob er sie will oder nicht.
Eine barrierefreie Lösung zu recherchieren und einzubauen kostet eben so viel Zeit wie eine nicht-barrierefreie Lösung einzubauen.

Wann Kostenaufschläge gerechtfertigt sind

Natürlich gibt es noch weitere Anforderungen der Barrierefreiheit, die durchaus komplexer sind. Das Anpassen der Patterns an die eigenen Erfordernisse etwa erfordert zusätzlichen Aufwand, wenn sich der Entwickler einarbeiten muss. Doch müssen Patterns immer angepasst werden, etwa aus Design-Gründen.
Eine Ausnahme gilt auch dann, wenn externe Barrierefreiheits-Experten eingeschaltet werden. Die wollen natürlich separat bezahlt werden.
Eine weitere Ausnahme gilt dann, wenn spezifische Tests mit behinderten Menschen zusätzlich durchgeführt werden. Diese Tests sind aufwendig und teuer. Eventuell wird auch ein Honorar oder eine Aufwandsentschädigung an die Testpersonen gezahlt.
Zudem können im Rahmen der Barrierefreiheit zusätzliche Absprachen mit dem Auftraggeber notwendig sein. Es muss etwa ein Konsens darüber erreicht werden, welcher Standard erfüllt werden soll und welche zusätzlichen Anforderungen es gibt.
Über besondere Anforderungen wie Leichte Sprache oder Gebärdensprache spreche ich hier nicht. Hier sind die Kostenaufwände natürlich erheblich. Das hat aber mit der Web-Agentur nichts zu tun.
Doch für den ganz normalen Programmier-Alltag sind hohe Kostenaufschläge für Barrierefreiheit selten gerechtfertigt. Viele Diskussionen und Probleme würden sich erübrigen, wenn Web-Entwickler einfach sauberen und bestimmungsgemäßen Code schreiben würden. Analoges gilt für native Apps. Einfach die Guidelines der OS-Anbieter lesen und sich daran halten, das scheint so manchen Entwickler zu überfordern.